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MANOR GRUNEWALD

„Goods between Floors“

opening Jan 18, 7-9 pm

 

Exhibition Text by Nils Emmerichs / GERMAN:

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Manor Grunewald – Goods Between Floors

I

Der 1985 in Belgien geborene Künstler Manor Grunewald untersucht in seiner Ausstellung „Goods Between Floors“ das Wechselspiel von Isolierung und Integration, bestimmt durch die räumliche Positionierung seiner Kunstwerke. Die Biographie des Künstlers, sowie die Ikonografisch- geologische Verortung Belgiens als Geburtsland, erlauben eine historische Scharnierfunktion, namentlich zu der legendären Antwerpener Wide White Space Gallery (1966 – 1977). Die Galerie wurde von Anny de Decker, zusammen mit Ihrem Mann, dem aus Düsseldorf stammenden Künstler Bernd Lohaus (1940 – 2010) gegründet. Wide White Space Gallery war, und ist bis heute, die essentielle Keimzelle für das Modell einer avantgardistische arbeiteten Galerie. Infolgedessen ist es umso interessanter, dass Bernd Lohaus nicht nur als Künstler, sondern auch als Ausstellungsmacher, mehrere Funktionen innerhalb der Inszenierung von Kunst eingenommen hat. Ähnlich verhält es sich in der Ausstellung Goods Between Floors von Manor Grunewald. Beiden Künstlern geht es um die Beziehung der Gegenstände zueinander und zum Raum. Bernd Lohaus verkettete die Sprache als ein Bestandteil in viele seiner Werke mit ein. Dabei waren seine künstlerischen Interventionen auf einfache, sensitive Handlungen begrenzt. Kunsthistorisch lässt sich das Schaffen der Wide White Space Gallery und die Kunst von Bernd Lohaus vor dem Hintergrund von Fluxus, sozialer Plastik, Arte Povera, Mininmal Art und Materialkunst verorten.

Die Arbeiten von Bernd Lohaus entstanden vor eben diesem Hintergrund und dessen Tendenzen und bilden darin eine solitäre Position. Wie es einst Bernd Lohaus in seinen Werken gezeigt hat, geht Manor Grunewald gezielt weiter. Er hält der Wirklichkeit einen Zerrspiegel vor, in dem es mehr zu entdecken gibt, als der erste Blick vermuten lässt. Das Ideal der Kunst, ihren ideellen und gerade darin substanziellen Wert zu vermitteln, ist seitdem schwieriger geworden. Jedes Kunstwerk soll heute zuerst etwas bedeuten, seinen Inhalt unmittelbar äußern, das rechtfertigt, im vollen Umfange verstanden zu werden. Wenn es künstlerische Inhalte noch gibt, entsprechen Sie nicht immer dem Kanon gesellschaftlicher Akzeptanz, weil Künstler nie tun, was von Ihnen erwartet wird. Gerade deshalb repräsentieren Kunstwerke, die Gesellschaft. Es sind diese auf ein Momentum zugespitzten Bilder; Kristallisation einer nicht einheitlichen und nicht eigenständigen, eben auch eklektischen Gesellschaft, in der wir heute leben.

II

Diese Untersuchungen spielen sich im visuellen Bereich ab, unterliegen also ausschließlich Sehgewohnheiten traditioneller ästhetischer Vorstellungen. Grunewald erkennt jedoch schließlich, dass die Lösung dieses Problems an der Diskrepanz von illusionärer Räumlichkeit und materialbedingter tatsächlicher Fläche, einer Fläche scheitern muss, also letzten Endes an der vermeintlichen Vorrangstellung visueller Phänomene. Über den Verzicht auf die bis dahin bei der Präsentation von Kunst übliche symmetrische Anordnung der Werke, vermeidet es Grunewald, die einzelnen Werke einem übergreifenden, vereinheitlichten System unterzuordnen. Stattdessen bemüht sich der Künstler hier um eine Positionierung der Kunstwerke, die den Betrachter einen privilegierten Zugang zu den einzelnen Werken erlaubt und die mit der konzeptionellen Forderung nach einer Rundumansicht oder einer eingeschränkten Ansicht übereinstimmen. Zugleich erzeugt der Gesamteindruck der räumlichen Position, in dieser Ausstellung, die mit Höhenunterschieden arbeiteten, raumgreifende Spannung. Obschon die Wirkungsbereiche der einzelnen Werke gewahrt wurden, bilden sie dennoch Teile eines abwechslungsreichen, atmosphärisch aufgeladenen Ganzen. Manor Grunewald nähert sich damit der künstlerischen Verfahrensweise, die mit der Idee eines Gesamtkunstwerks in Verbindung steht. Im Gegensatz dazu erlangen plastische, architektonische und kunsthandwerkliche Elemente bei Grunewald jedoch keine gleichberechtigte Stellung, sondern die Hauptrolle spielt immer das hervortretende Werk. Die inszenatorischen Mittel entfalten ihre suggestive und animierende Wirkung hingegen in besonderer Form, wenn sie im Hintergrund bleiben. Diese differenzierte inszenatorische Strategie, die der Künstler für die Präsentation in der Berthold Pott Galerie entwickelt, mündet auf der Suche nach einem dauerhaften Ausstellungsort der Werke und dem Bestreben nach einem in sich geschlossen Werk.

III

Das Ziel eines in sich geschlossenen Werks ist hoch, aber es bezieht in der Forderung nach der Einheit aus Material, Form, Ort und Arbeitsprozess einen universalen Charakter mit ein, der ein Werk nicht als im Ausstellungsraum gefangen ansieht, nur weil es ausgestellt ist. Grunewald strebt die Bewusstwerdung aller Vorgänge, die zur Schaffung eines Objekts notwendig sind an. Dem Betrachter wird indirekt aufgezeigt, dass ein Werk einen Prozess durchlaufen muss, um schließlich als kunstvolles Objekt wahrgenommen werden zu können. Das verbindet den Künstler mit den künftigen, anonymen Betrachtern seiner Ausstellung. Das Objekt führt in seiner Beschaffenheit und in seinem offenen Zustand der Bearbeitungsspuren über die Zeit, der zeitlich begrenzten Präsentation, hinaus. Es gibt nicht „das“ Objekt, es vereint die Gedanken und Planungen des Künstlers, die Wahl des Materials schon durch seine Anwesenheit und wird damit zu einer Repräsentation der Zeit selbst, weil es über seinen Standpunkt hinaus in die Zeitebenen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft weist.

 

Nils Emmerichs, Januar 2019

 

 

Exhibition Text by Nils Emmerichs / ENGLISH:

I

In his exhibition Goods Between Floors, the Belgian-born artist Manor Grunewald (b. 1985) investigates the interplay of isolation and integration, determined by the spatial positioning of his artworks. The artist’s biography, as well as the iconographic and geological location of Belgium as his country of birth, allow for a historical link, namely to the legendary Wide White Space Gallery (1966-1977) in Antwerp. The gallery was founded by Anny de Decker, together with her husband, the Düsseldorf-born artist Bernd Lohaus (1940-2010). Wide White Space Gallery was, and continues to be, the essential nucleus for the model of an avant-garde gallery. As a result, it is all the more interesting that Bernd Lohaus assumed several functions within the staging of art, not only as an artist, but also as a curator. The situation is similar in the exhibition Goods Between Floors by Manor Grunewald. Both artists are concerned with the relationship between objects, as well as between the objects and the space they occupy. Bernd Lohaus included language as a component of many of his works. His artistic interventions were limited to simple, sensitive actions. In terms of art history, the work of Wide White Space Gallery and the art of Bernd Lohaus can be seen within the context of Fluxus, Social Sculpture, Arte Povera, Minimal Art and Material Art.

 

The works of Bernd Lohaus were created against this background and its tendencies and represent a solitary position within this. That which Bernd Lohaus once demonstrated with his works is taken further by Manor Grunewald in a targeted manner. He holds up a distorted mirror to reality, in which there is more to discover than the first glance might suggest. The ideal of art to convey its imaginary and therein substantial value has since become more difficult. Today, every work of art should first mean something, express its content directly, which justifies being understood in its entirety. If artistic content still exists, it does not always correspond to the canon of social acceptance, since artists never do what is expected of them. This is precisely why works of art represent society. It is these images, sharpened to a momentum; the crystallisation of the non-unified, non-independent, indeed even eclectic society, in which we live today.

II

These investigations take place in the visual realm and are thus subject solely to the visual habits of traditional aesthetic conceptions. Grunewald recognises, however, that the solution to this problem must fail due to the discrepancy between illusionary spatiality and material-related, actual surface – that is to say, ultimately due to the alleged primacy of visual phenomena. By abandoning the symmetrical arrangement of the works that had previously been customary in the presentation of art, Grunewald avoids subordinating the individual works to an overarching, unified system. Instead, the artist strives to position the artworks in such a way that the viewer has privileged access to the individual works and that they conform to the conceptual demand for either an all-round view or a restricted view. At the same time, the overall impression of the spatial position in this exhibition, which works with height differences, creates spatial tension. Although the individual works have retained their respective spheres of influence, they nevertheless form part of a varied, atmospherically charged whole. Manor Grunewald thus approaches the artistic process associated with the idea of a Gesamtkunstwerk. In contrast to this, however, Grunewald’s sculptural, architectural and handicraft elements do not acquire an equal position, but rather the work at hand always plays the leading role. The means of staging, on the other hand, unfold their suggestive and animating effect in a special way when they remain in the background. This differentiated staging strategy, which the artist developed for the presentation at Berthold Pott Gallery, leads to the search for a more permanent exhibition venue for the works and the aspiration for a self-contained work.

III

The goal of a self-contained work is noble, but in the demand for the unity of material, form, place and working process, it involves a universal character that does not regard a specific work as being trapped in the exhibition space simply because it is exhibited there. Grunewald strives to become aware of all the processes that are necessary to create an object. The viewer is indirectly shown that a work must go through a process in order to be perceived as an artistic object. This connects the artist with the future anonymous viewers of his exhibition. In its character and its open state of the traces of its processing, the object leads beyond the timespan of the temporary presentation. There is not ‘the’ object; it unites the thoughts and plans of the artist, as well as the choice of material, through its very presence and thus becomes a representation of time itself, since it refers, beyond his point of view, to the time levels of the past, the present and the future.

 

Nils Emmerichs, January 2019

 

 

 

AGATA INGARDEN

solo exhibition

opening March 15, 7-9 pm

 

DANIEL BOCCATO

solo exhibition

April / May 2019